Typische Anzeichen, dass eine HRT nicht wirkt: Kann eine HRT deine Symptome verschlimmern?

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von Dr. Rebecca Tomlinson, ⊕ medizinisch überprüft von Dr. Rebecca Tomlinson am 27. April 2023

Für viele Frauen ist eine Hormonersatztherapie (HRT oder HET abgekürzt) die Antwort, nach der sie gesucht haben, wenn es darum geht, ihre lästigen perimenopausalen oder menopausalen Symptome zu lindern oder zu stoppen. Die HRT gilt allgemein als Goldstandard-Behandlung, da sie die eigentliche Ursache dieser Symptome angeht, nämlich den sinkenden Hormonspiegel auszugleichen, und das Endergebnis dabei helfen sollte, dass sich Frauen wieder „wie sie selbst“ fühlen.

Es überrascht nicht, dass viele Frauen die Vorteile einer Hormonersatztherapie ein wenig verherrlichen. Leider helfen HRT Behandlungen nicht jeder Frau. Manche stellen sogar fest, dass sie sich in Folge dieser Behandlung schlechter fühlen als mit den eigentlichen Symptomen der Wechseljahre.

Was ist eine Hormonersatztherapie überhaupt?

Wie jedes Arzneimittel können die bei der HRT verwendeten Hormone (Östrogen, Progesteron und in einigen Fällen Testosteron [1]) mögliche Nebenwirkungen verursachen.

Es ist wichtig zu wissen, dass es sich bei der Hormontherapie nicht um ein standardisiertes, homogenes Medikament handelt, sondern um ein Medikament, das in verschiedenen Stärken und Verabreichungsarten erhältlich ist (Gele, Pillen, transdermale Pflaster, Pessare, Sprays und Implantate). Daher ist es jedes Mal ein Prozess die richtige Dosierung und Anwendungsform für die Patientin zu finden, der einige Zeit in Anspruch nehmen kann. 

Die Art der HRT, die du benötigst, hängt auch von unterschiedlichen Faktoren ab. Beispielsweise ist es relevant ob bei dir eine Hysterektomie durchgeführt wurde. In diesem Fall wird eine HRT nur mit Östrogen verschrieben. Ebenfalls ist die Therapieart von den spezifischen Wechseljahrsbeschwerden abhängig, die du verspürst. Gemäß deiner Symptome werden die passenden Hormone und die entsprechende Dosierung für dich festgelegt. Falls mehr wissen möchtest, dann ließ dir gerne den Artikel „Was ist eine Hormonersatztherapie und für wen ist sie geeignet?“ durch, der noch mehr Informationen dazu bietet.

Wenn dir kürzlich eine Hormonersatztherapie verschrieben wurde, versuch zunächst aufgeschlossen zu bleiben und die Behandlung nicht sofort abzulehnen. Die meisten Gesundheitsexpert*innen und Herstellern von HRT-Präparaten empfehlen, das Mittel etwa 3 Monate kontinuierlich anzuwenden, da der Körper einige Zeit braucht um sich daran zu gewöhnen. Oft sind Probleme vorübergehender Natur und/oder mit ein paar kleinen Anpassungen behebbar. Sprich mit deinem*deiner Arzt oder Ärztin darüber. Sie helfen dir auch die Risiken und mögliche Nebenwirkungen zu verstehen.

Anzeichen, dass eine HRT nicht wirkt: So erkennst, ob du eine HRT nicht verträgst

Was sind also die Anzeichen dafür, dass eine Hormontherapie nicht hilft? Warum haben manche Frauen häufiger Probleme als andere? Was ist die beste Vorgehensweise, wenn es dir schlechter geht als zuvor?
Der Sinn der Hormonersatztherapie besteht darin, die Hormone zu ersetzen, die dein Körper in der Zeit der Menopause nicht mehr produziert und so die dadurch ausgelösten Symptome zu minimieren oder zu stoppen. Wenn dies nicht der Fall ist oder deine Symptome schlimmer werden, deutet dies darauf hin, dass das verschriebene Mittel überdacht und/oder angepasst werden muss. Symptome, auf die du achten solltest, können sowohl physischer als auch psychischer Natur sein. Zu den Anzeichen, dass eine HRT nicht wirkt, gehören:

  • Schlafprobleme
  • Bestehende Hitzewallungen & Nachtschweiß
  • Unerklärliche Gewichtszunahme
  • Mangelnde Libido
  • Gefühl von Unwohlsein / Krank sein
  • Depression oder Niedergeschlagenheit
  • Blähungen und Flüssigkeitsansammlungen
  • Müdigkeit/Müdigkeit
  • Reizbarkeit
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Verdauungsbeschwerden  
  • Migräne & Kopfschmerzen
  • Konzentrationsschwäche & Vergesslichkeit
  • Wutanfälle
  • Angst
  • Panikattacken
  • Brustspannen
  • Akne und fettige Haut
  • Hirsutismus (übermäßiger Haarwuchs)
  • Schwindel
  • Bluthochdruck
  • Erhöhter Cholesterinspiegel
  • Insulinresistenz/Prädiabetes

Einige Frauen sind anfälliger für Probleme mit einer HRT als andere

  • Hormonunverträglichkeit gegenüber Progesteron 
    Die Symptome bei einer hormonellen Unverträglichkeit gegenüber HRT (im Allgemeinen gegenüber Progesteron) können den Symptomen bei PMS oder PMDD (Prämenstruelle dysphorische Störung - eine besonders schwere Form von PMS) sehr ähnlich sein. Wenn du also in der Vergangenheit unter PMS- oder PMDD-Symptomen gelitten hast oder in der Vergangenheit Schwierigkeiten mit der Verträglichkeit einer hormonellen Empfängnisverhütung hattest, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Überempfindlichkeit gegen das in der HRT enthaltene Progesteron. Es kann daher hilfreich sein, auf folgende Warnzeichen zu achten:
    • Gelenk- und Muskelschmerzen
    • Krämpfe
    • Schlaflosigkeit
    • Essattacken und Heißhungerattacken
    • Depressionen und Selbstmordgedanken. [2]

  • Endometriose
    Untersuchungen zeigen, dass Personen, die in der Vergangenheit an Endometriose gelitten haben (eine schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst)[3], empfindlich auf die HRT reagieren können. Dabei kann der Östrogenanteil der HRT manchmal das Gewebewachstum reaktivieren und damit verbundene Symptome der Endometriose auslösen.[4]
  • Hypothyreose 
    Bei Frauen mit Hypothyreose (wenn die Schilddrüse nicht genügend Schilddrüsenhormon produziert) können Probleme mit dem in HRT enthaltenen Östrogen auftreten, die die Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten beeinträchtigen und die Menge des verfügbaren Schilddrüsenhormons im Blut verringern können. Wenn du mit Schilddrüsenhormonen behandelt wirst und mit der Einnahme einer HRT beginnst, musst du mit deinem*deiner Arzt*Ärztin einen individuellen Plan ausarbeiten, da deine Thyroxin-Dosierung möglicherweise angepasst werden muss.[5]
  • Genitalherpes 
    Bei Frauen mit dem Genitalherpes-simplex-Virus gibt es auch Hinweise darauf, dass bestimmte Arten von Progesteron, insbesondere das in der Verhütungsinjektion Depo-Provera enthaltene Progesteron, die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen könnten. Untersuchungen zu den in HRT enthaltenen Progesteronbestandteilen haben solche Zusammenhänge nicht gezeigt.[6]

Kann es sein, dass du eine HRT nicht verträgst?

Wenn du mit mehr Symptomen zu kämpfen haben als vor Beginn der HRT-Behandlung, kann dies ein Zeichen für eine Überempfindlichkeit sein. Dr. Rebeccah Tomlinson, eine auf die Wechseljahre spezialisierte Allgemeinmedizinerin, erklärt die häufigsten Ursachen: „Meistens ist es der Progesteronbestandteil von Hormonbehandlungen, auf den Frauen empfindlich reagieren, und das kann zu vielen Symptomen führen, die möglicherweise mit anderen Erkrankungen wie Depressionen, PMT oder Reizdarmsyndrom verwechselt werden." Man geht davon aus, dass rund 20 Prozent der Frauen, die eine HRT einnehmen, Progesteron nicht vertragen und etwa die Hälfte der Betroffenen die HRT aufgrund der Nebenwirkungen abbrechen.[7]

Warum ist Progesteron problematisch?

Dr. Tomlinson sagt: „Die meisten Progesterone, die uns im Laufe unseres Lebens als Verhütungsmittel oder HRT verschrieben werden, sind Gestagene – synthetisch hergestellte Hormone, die sich in ihrer Struktur und Zusammensetzung von den natürlichen Progesteronen unterscheiden können, die in den Eierstöcken produziert werden.“ Die Alternative dazu sind die neueren „körperidentischen“ und mikronisierten Sorten, die derzeit entwickelt werden. Diese stammen eher aus natürlichen Quellen, wie zum Beispiel aus der Yamswurzel, und haben mehr Ähnlichkeit mit den natürlichen Progesteronen des weiblichen Körpers. Frauen haben bei diesen Mitteln tendenziell weniger Nebenwirkungen und Untersuchungen haben gezeigt, dass sie im Hinblick auf das Risiko von Brustkrebs, Blutgerinnseln und Herzerkrankungen sicherer sind. Das häufigste körperidentische Progesteron, das derzeit in der HRT verwendet wird, heißt Utrogestan.“

Östrogen verursacht tendenziell weniger Probleme, kann jedoch zu Beginn der Einnahmehäufig zu Übelkeit und Kopfschmerzen führen. Ebenfalls können Magen-Darm-Probleme, darunter Bauchkrämpfe, Erbrechen, Blähungen, Blähungen, Durchfall und Sodbrennen auftreten. Trockene Augen und Beinkrämpfe sind weitere bekannte Nebenwirkungen.[8],[9] Wenn dir Testosteron verschrieben wurde (obwohl es aktuell in Deutschland keine zugelassenen Hormonpräparate mit Testosteron zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden gibt), könnten einige Spezialisten es verschreiben, wenn sie glauben, dass du davon profitieren würden. Nebenwirkungen sind selten, können aber möglicherweise zunehmend fettige Haut und Akne, überschüssiges Haar und Gewichtszunahme umfassen.[10]

Wenn du wissen möchtest, welche Lebensmittel bei der Förderung der Testosteronproduktion helfen können, schau dir diesen Artikel an.

Was tun, wenn deine HRT bei dir ein Krankheitsgefühl hervorruft?

1. Verfolge deine Symptome um genau zu erkenne, wie sich deine Symptome verändern und ob und wann sie bessern oder schlechter werden. Kennst du schon unsere kostenlose Health & Her App? Mit der App kannst du deine Symptome und Auslöser festhalten und über die Zeit nachverfolgen. So lernst du deinen Körper besser kennen und verstehst, was dir gut tut und was nicht. So kannst du auch sehen, welchen Einfluss die HRT auf deinen Körper hat.
Leider kannst du nicht automatisch darauf vertrauen, dass dein Körper die Hormonbehandlung vertragen wird. Daher möchten wir dich nochmal daran erinnern, dass es keine allgemeingültige Lösung oder Behandlungsmöglichkeit für perimenopausale und menopausale Symptome gibt, sondern jede Hormontherapie individuell auf die Krankengeschichte, die Symptome und andere Faktoren der Frau abgestimmt wird.

2. Probiere verschiedene Therapiemöglichkeiten aus. Wie Dr. Tomlinson sagt: „Das Auftreten von Nebenwirkungen bei einer HRT-Behandlung sollte dich nicht davon abhalten, eine Alternative auszuprobieren.“ Wenn du deine HRT auf eine andere Formulierung umstellst, die besser auf deine Hormonempfindlichkeit zugeschnitten ist, können einige oder alle deiner Probleme gelindert oder gestoppt werden. Die Umstellung kann unter Umständen sehr einfach sein, wie zum Beispiel die Veränderung der Verabreichungsmethode. Die Nebenwirkungen sind tendenziell milder bei der Verwendung von Pflastern oder Pessaren als die Einnahme von Pillen durch die lokale Wirkweise der Hormone. Auch der Zeitpunkt der Einnahme der HRT kann einen Effekt auf mögliche Nebenwirkungen haben. Wenn dir beispielsweise durch die Einnahme deiner Tablette übel wird, kannst du probieren die Tablette zusammen mit einer Mahlzeit oder nachts einzunehmen um das Übelkeitsgefühl zu lindern. Es ist auch erwähnenswert, dass einige Frauen bei der Verwendung von Pflastern oder Gels festgestellt haben, dass die Menge an Hormonen, die sie über ihre Haut aufnehmen, je nach verwendeter HRT-Marke unterschiedlich sein kann. Es lohnt sich zu experimentieren, um das passende Präparat zu finden, das dir am besten hilft.

Kurz gesagt: Eine Anpassung der Dosierung und eine Änderung der Art des verwendeten Progesterons und/oder des Zeitpunkts deiner HRT-Einnahme können hilfreich sein. Gestagene und Progesterone werden entweder nacheinander (12–14 Tage in einem 28-Tage-Zyklus) oder kontinuierlich (täglich) verabreicht. Diejenigen, die eine sequentielle HRT erhalten, können an den Tagen, an denen sie Östrogen und Progesteron zusammen einnehmen, eine völlige Veränderung ihrer Symptome feststellen, verglichen mit den Tagen, an denen sie nur Östrogen allein einnehmen. Wenn dies der Fall ist, wäre eine Änderung des verwendeten Progesterons oder des Zeitpunkts dafür ratsam.

3. Versuch es mit einer anderen Form von Progesteron. Mikronisiertes Progesteron, das aus Yamswurzeln hergestellt wird, wird im Allgemeinen auch besser vertragen und verstoffwechselt als die synthetischen Versionen – mit dem zusätzlichen Vorteil, dass es nachweislich zur Verbesserung der Schlafqualität beiträgt, was in den Wechseljahren oft ein Hauptanliegen ist.[11] Aus diesem Grund wird grundsätzlich die Einnahme nachts empfohlen.

4. Lass dich von einem*einer erfahrenen Experten*Expertin beraten. Dr. Tomlinson weißt darauf hin, dass alle Änderungen, die du an deiner HRT-Behandlung vornimmst, zunächst mit deinem*deiner Arzt*Ärztin besprechen solltest. Sie fügt hinzu, dass es zwar den Anschein haben mag, dass eine geringere Einnahme von Progesteron etwaige unerwünschte Nebenwirkungen lindern könnte, eine Reduzierung der Dosis jedoch zu einem unzureichenden Schutz des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) führen könnte, was zu einem erhöhten Risiko für Endometriumhyperplasie und Endometriumkrebs führen könnte. Sprich am besten mit deinem*deiner Arzt*Ärztin, wenn du Probleme hast und lass dich beraten, damit du den größtmöglichen Nutzen aus deiner HRT ziehen kannst.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten zur HRT

Wenn du keine HRT-Behandlung findest, mit der du zurechtkommst, oder du sie einfach nicht mehr einnehmen möchten, gibt es andere Medikamente, die möglicherweise helfen können. Dazu zählen selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs). Das sind Antidepressiva, die wirksam zur Reduzierung von Nachtschweiß beitragen. Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist eine Gesprächstherapie, die dir helfen kann, mit psychischen Symptome der Menopause umzugehen, darunter Stress, Angstzustände und Stimmungsschwankungen. Vaginale Gleitmittel sind leicht online oder in der Apotheke erhältlich und können dabei helfen, unangenehme Scheidentrockenheit zu reduzieren.

Es gibt auch eine Reihe von Ernährungs- und Lebensstiländerungen, die dazu beitragen können, die Symptome der Perimenopause und der Menopause zu minimieren. Dazu gehören

  • regelmäßige Bewegung
  • eine gesunde, menopausenfreundliche Ernährung
  • die Einnahme hochwertiger Vitamin- und Mineralstoffpräparate mit Phytoöstrogenen (wie Yamswurzel)
  • die Einschränkung des Alkohol- und Nikotinkonsums
  • sowie der Umgang mit Stress und Ängsten

Viele Frauen stellen fest, dass sie ihre Symptome auf diese Weise erfolgreich in den Griff bekommen können.

Quellen

[1] https://www.nhs.uk/conditions/menopause/treatment/#:~:text=Testosterone is produced by the,the same time as HRT.

[2] https://www.psycom.net/premenstrual-dysphoric-disorder-pmdd/pmdd-or-pms

[3] https://www.nhs.uk/conditions/endometriosis/

[4] https://academic.oup.com/humupd/article/23/4/481/3814217

[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30296186/

[6] https://journals.asm.org/doi/full/10.1128/JVI.77.8.4558-4565.2003#:~:text=Progesterone Increases Susceptibility and Decreases Immune Responses to Genital Herpes Infection,-Authors: Charu Kaushic

[7] https://academic.oup.com/humupd/article/3/2/159/840053

[8] https://patient.info/medicine/oestrogen-hrt-estradiol-conjugated-oestrogens

[9] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0378512203003815

[10] https://thebms.org.uk/wp-content/uploads/2022/12/08-BMS-TfC-Testosterone-replacement-in-menopause-DEC2022-A.pdf

[11] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29962247/

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Dr Rebeccah Tomlinson

Allgemeinmedizinerin

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