Wie du mit deinem*deiner Vorgesetzten über die Menopause sprichst

Featured Image

Falls die Symptome der Perimenopause oder der Menopause dich bei der Arbeit behindern, bist du nicht allein. In Deutschland befinden sich gerade 9 Mio. Frauen[1] in den Wechseljahren. Und eine von zehn Frauen gibt ihren Arbeitsplatz auf, weil sie mit Wechseljahresbeschwerden zu kämpfen hat.[2] Ob Gehirnnebel, Angstzustände oder Stimmungsschwankungen – es gibt eine Reihe von emotionalen und kognitiven Problemen,[3] die sich während der Wechseljahre auf deine Produktivität und zwischenmenschlichen Beziehungen am Arbeitsplatz auswirken können.

Indem du mit deinem*deiner Vorgesetzten über deine Wechseljahresbeschwerden sprichst, kannst du die Unterstützung bekommen, die du brauchst, um den Übergang in die Wechseljahre gut zu bewältigen und am Arbeitsplatz glücklich und konzentriert zu bleiben.

Warum ist es sinnvoll, deinen*deine Vorgesetzte*n zu informieren, dass du in den Wechseljahren bist?

„Da wir so viel Zeit in der Arbeit verbringen, ist es wichtig, dass man als Frau glücklich und erfolgreich ist, dass man in Kontakt bleibt, sich austauscht und andere nicht ausgrenzt“, sagt June Potts, Unternehmensberaterin und Trainerin für die Wechseljahre.

Im Rahmen des Gleichstellungsgesetzes hast du das Recht, nicht aufgrund deines Geschlechts oder deines Alters diskriminiert zu werden. Daher haben einige Unternehmen damit begonnen, Richtlinien für die Wechseljahre am Arbeitsplatz einzuführen, und Führungskräfte werden darin geschult, Frauen in den Wechseljahren zu unterstützen. In anderen Länden ist man schon deutlich weiter als in Deutschland was die Gesundheitsförderung von Frauen in den Wechseljahren am Arbeitsplatz anbelangt. Während in Großbritannien bereits 24 % aller Arbeitgeber eine Richtlinie für die Wechseljahre implementiert haben[4], hinkt man in Deutschland noch deutlich hinterher. 

Richtlinien hin oder her, viele Arbeitgeber sind bereit und in der Lage, Frauen bei der Bewältigung der Wechseljahre am Arbeitsplatz zu unterstützen. „Sie bieten flexibles Arbeiten, mehr Pausen während des Arbeitstages, abhängig von der Art des Arbeitsplatzes und natürlich davon, ob man von zu Hause aus arbeiten kann oder nicht“, sagt June.

Ist es normal, nervös zu sein, wenn man am Arbeitsplatz über die Wechseljahre spricht?

Viele Frauen trauen sich nicht, am Arbeitsplatz über die Wechseljahre zu sprechen, weil sie sie als etwas Privates ansehen. „Laut Studien wollen Frauen gegenüber einem Mann, insbesondere einem Mann in einer Führungsposition, nicht erzählen, dass sie in den Wechseljahren sind“, sagt June. 

„Über die Wechseljahre gibt es viele negative Gerüchte. Sie waren ein großes Geheimnis, über das unsere Mütter nie gesprochen haben.“ Doch June ist überzeugt, dass sich das ändert.

„Ich denke, die Wechseljahre befinden sich auf dem gleichen Weg der Aufklärung wie die psychische Gesundheit. Wir hinken nur sieben oder acht Jahre hinterher. Viele Millennials befinden sich jetzt an der Schwelle zu den Wechseljahren, und sie sind technisch versierter, verwenden eher Apps und informieren sich über ihre Symptome“, meint sie.

Unsere besten Tipps, worauf du achten solltest, wenn du mit deinen Vorgesetzten über die Wechseljahre sprichst:

1. Abteilungsleiter:in, Personalabteilung oder Betriebsärzt:in – entscheide selbst, wen du darauf ansprechen möchtest. 
Es liegt letztlich an dir, ob du das Problem zuerst bei deinem*deiner direkten Vorgesetzten ansprichst oder dich direkt an die Personalabteilung oder den*die Betriebsärzt*in wendest, je nachdem, wie du dich dabei am wohlsten fühlst und wie dein Arbeitsplatz strukturiert ist. Nach Aussage von June sprechen Frauen eher mit ihrem*ihrer Vorgesetzten, wenn diese in einem ähnlichen Alter und weiblich sind und sie ihnen voll vertrauen. „Tatsächlich sind es aber oft nur die vorgefassten Meinungen der Frauen, dass Männer das nicht nachvollziehen können, während viele von ihnen in Wirklichkeit fantastische Verfechter der Wechseljahre sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer neugierig sind, Fragen stellen und verstehen wollen“, fügt sie hinzu.

2. Bitte um ein persönliches Gespräch und sei ganz offen.
„Sofern du dich wohl dabei fühlst, mit deinem*deiner direkten Vorgesetzten zu sprechen, kannst du um ein privates Gespräch bitten oder ein Einzelgespräch nutzen. Das ist kein Thema, das du in deiner Leistungsbeurteilung ansprechen solltest.“, betont June. Allerdings wird die Ansicht vertreten, dass die Vorgesetzten die Wechseljahre in Betracht ziehen sollten, wenn ein*e Arbeitnehmer*in nicht mehr leistungsfähig ist. „Obwohl die Wechseljahre eine private Angelegenheit sind, ist es empfehlenswert, offen und ehrlich über die Situation zu sprechen, und wenn dein Arbeitgeber das versteht, kann er dich im Voraus unterstützen.“ 

3. Bereite vor, was du sagen wirst und sei dabei konstruktiv. 
Bereite dich darauf vor, was du sagen wirst, nicht nur, wie sich deine Symptome auf deine Arbeitsleistung auswirken, sondern auch, welche Lösungen dir deiner Meinung nach helfen könnten. Ein guter Startpunkt ist unser Leitfaden für vertrauensvolle Gespräche am Arbeitsplatz.

4. Denke daran, dass dein Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht hat.
Nach dem Arbeitsschutzgesetz müssen alle Arbeitgeber für die Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeitenden sorgen. Damit jedoch deine Bedürfnisse erfüllt werden können, musst du deinen Arbeitgeber darüber informieren. „Frauen müssen verstehen, dass es sich um ein wechselseitiges Gespräch handelt“, sagt June. „Du solltest deinen Arbeitgeber informieren, damit er dir helfen kann, z. B. durch kurzfristige Änderungen der Arbeitszeiten, reservierte Sitzplätze in der Nähe eines Fensters, Zugang zu Wasser, Toiletten in der Nähe und Hygieneartikel.“

5. Schlage regelmäßige Check-Ins vor.
June empfiehlt, regelmäßige Besprechungen mit dem*der Vorgesetzten einzuplanen, um die Unterstützung und mögliche Änderungen deiner Bedürfnisse zu besprechen. „Im Durchschnitt dauert der Übergang in die Wechseljahre sieben Jahre[5], und die Symptome ändern sich ständig, während man die Perimenopause, die Menopause und schließlich die Postmenopause durchläuft“, erklärt sie. „Dies bedeutet, dass die Unterstützung, die du an deinem Arbeitsplatz erhältst, möglicherweise angepasst werden muss.“ 

6. Mit dem Blick auf den Preis: Unterstützung kann dir helfen, auf deinem Karrierepfad zu bleiben.
Bedauerlicherweise hat June eine Tendenz festgestellt, die mit dem Erreichen des Alters von 50 Jahren zunimmt. „Frauen werden nicht befördert, was zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle beiträgt. Außerdem ist es Fakt, dass Frauen in dieser Zeit eher entlassen werden, ihre Arbeitszeit reduzieren oder ihren Arbeitsplatz ganz aufgeben. Umso wichtiger ist es, dass du jemandem von deinen Symptomen erzählst und dir die nötige Unterstützung holst. Denn das bedeutet, dass du auf deinem beruflichen Weg bleiben kannst“, sagt sie. „Andernfalls besteht die Gefahr, dass es zu einem Teufelskreis wird: Die Frauen schweigen, sie bekommen nicht die Unterstützung, die sie brauchen, und dann gehen sie.“

Was du verlangen könntest, um dir bei der Bewältigung von Wechseljahresbeschwerden am Arbeitsplatz zu helfen

Die praktischen Veränderungen, die dir helfen, hängen von den Symptomen ab, mit denen du zu kämpfen hast, aber viele Frauen finden einige dieser Angebote hilfreich: 

  • Flexible Arbeitszeiten, damit du arbeiten kannst, wann es dir am besten passt
  • Regelmäßige Pausen während des Tages, um sicherzustellen, dass du die Möglichkeit hast, dich geistig zu erholen oder dich frisch zu machen
  • Das Recht, von zu Hause aus zu arbeiten, wo man ein Fenster öffnen, ein Mittagsschläfchen halten und starke Periodenbeschwerden und Blutungen leichter bewältigen kann
  • Die Gründung von Gruppen zur Unterstützung der Wechseljahre innerhalb der Organisation
  • Zugang zu einem*einer Karriere-Coach für die Wechseljahre oder einem*einer anderen Gesundheitsexpert*in mit Erfahrung in den Wechseljahren

Eine App zur Erfassung von Symptomen wie die Health & Her-App, die kostenlos für iOS und Android erhältlich ist, kann ebenfalls eine große Hilfe sein. Falls du Ratschläge zu deinen Symptomen und zur Bewältigung des Übergangs in die Wechseljahre brauchst, vereinbare einen Termin mit einem auf die Wechseljahre spezialisierten Arzt oder Ärztin.

Quellen

[1] Frauenärzte im Netz e.V.: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/aktuelles/meldung/wechseljahre-wissen-macht-cool/#:~:text=Derzeit%20sind%20in%20Deutschland%20etwa,Informationsveranstaltung%20unter%20dem%20Motto%20%E2%80%9EWechseljahre.

[2] Menopause and the Workplace, The Fawcett Society, 2022.

[3] https://healthandher.com/expert-advice/brain-fog/menopause-mood-changes-and-brain-fog-the-surprising-cognitive-and-psychological-symptoms/

[4] CIPD, 2021: https://www.cipd.co.uk/Images/cipd-submission-to-appg-for-the-menopause-call-for-evidence_tcm18-101509.pdf

[5] British Menopause Society, Management of the Menopause, sixth edition, Hillard et al. 2017

Jane Collins

Jane Collins

Health & Her Redakteurin

Zurück Zurück zu Fachberatung
Zurück zum Blog